Tausend Dollar für den Duty-Free

Wenn sich hochgradig nervös und befremdlich verhaltende Touristen auf dem internationalen Flughafen von Tripolis in Zukunft ihren flachen Brustbeutel mit Leukoplast über die schweißbeperlte Brust kleben, dann hat das nichts mit Verfolgungswahn oder unbegründeter Paranoia zutun. Nein, ebendiese wagemutigen Individualreisenden mit kosmopolitischem Selbstverständnis – in der Tat, wir sprechen hier vom Tourismusparadies Libyen – müssen bei der Einreise neuerdings mindestens 1000 Dollar oder deren Gegenwert in einer anderen konvertierbaren Währung mit sich führen.
Nachdem der Abenteuerurlauber nach der Landung die Zoll- oder auch Liquiditätskontrolle passiert hat, wird er vermutlich viele warme Willkommensgrüße hören, welche nur in Ausnahmefällen auf uneigennützige Gastfreundschaft schließen lassen. Dass Muammar Al-Ghaddafi seit der Geburtsstunde des internationalen Terrorismus in der weltöffentlichen Wahrnehmung, namentlich Nine Eleven, allen Zweiflern zum Trotz Rückendeckung für Amerikas Recht auf Selbstverteidigung (vor)gibt und sich auch sonst handzahm wie eine Ziege in der Libyschen Wüste verhält, wird unserem Rucksackreisenden jedoch nicht die Angst nehmen, auf der Suche nach einer Unterkunft an der nächsten Straßenecke unweit des Flughafens ausgeraubt zu werden.
Wenn er darüber hinaus neben dem gültigen Visum keine arabische Übersetzung seiner Passdaten bei sich trägt, darf er ohnehin nicht einreisen. Und während man im Allgemeinen Volkskongress schon über andere Möglichkeiten des Konjunkturaufschwungs debattiert, sollte man bei Libyan Arab Airlines vielleicht in Erwägung ziehen, erstmalig Bankautomaten in den Flugzeugen zu installieren. So informierte das Auswärtige Amt über die marginalen Änderungen der Einreisebedingungen zunächst lediglich die Fluglinien, die den Maghreb-Staat anfliegen. Und inshallah findet sich an Bord sogar ein beeidigter Übersetzer, der sich mehr mit der arabischen Sprache als mit so jugendlichem Unfug wie Plastiksprengstoff auskennt.
Wem das alles zuviel Aufwand ist, der kann auch einfach nach Ägypten reisen. Dort kann man für 200 ägyptische Pfund einen Tagesausflug nach Gizeh zu den Pyramiden unternehmen. Eingefleischte Kenner Nordafrikas sollen sogar behaupten, dass dieses Reiseziel um einiges reizvoller sei. 200 ägyptische Pfund sind übrigens in etwa 25 Euro.